Conference paper

Tropeano, Ruggero:

Struktur, Material und Farbe: Bauhaus Dessau und Budge- Heim Frankfurt

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In den Jahren 2000- 2001 betreuten wir parallell in situ die Sanierung zweier Ikonen der modernen Architektur aus der Zeit des Neuen Bauens.

Mit der 1999 verfassten denkmalpflegerischen Zielsetzung zur Generalsanierung des Bauhauses in Dessau wurden die Grundlagen erarbeitet für eine nachhaltige Renovationsphase des bereits Ende der Siebziger bis Mitte der Achtzigerjahre sanierten Weltkulturerbes.

Nach einer detaillierten Analyse der bestehenden Bausubstanz mit chronologischer und typologischer Darstellung der bis anhin erfolgten Eingriffe und der Präzisierung der Untersuchungsfelder der Restauratoren wurde ein Ausführungsprojekt für die Gesamtsanierung erarbeitet.

In der ersten Etappe der Sanierung wurde die Fassade des Atelierhauses (Prellerhaus) in Angriff genommen. Bereits im frühen Stadion der Ausführungsplanung wurde die Sanierung der bestehenden originalen Putze thematisiert, mit grossem Engagement des Landesamtes für Denkmalpflege, der Planenden und der Bauträgerschaft konnte nach konfliktreichen Diskussionen ein Sanierungsvorschlag erarbeitet werden der vorsah, dass unter Anleitung der Restauratoren die mit öffentlichen Vergaberecht zu Ausführung empfohlenen Unternehmen die fachgerechte Reparatur der Verputzhaut durchführen konnten.

Eine Notsanierung im Inneren des Mensatraktes, die der Decke, diesmal nur durch Restauratoren ausgeführt, brachte eine erstaunliche Materialisierung zum Vorschein:

Das Zusammenspielen von Material (hydraulischer Kalkmörtel) mit Struktur (teils geglättet, teils als Kratzputz ausgeführt) und Farbe.

Das Budge-Heim in Frankfurt 1928 von Mart Stam, Werner Moser und Ferdinand Karmer gebaut war ein Projekt, das durch die Henry und Emma Budge-Stiftung mit Finanzmittel aus Amerika ermöglicht wurde, es war eine multikonfessionelle (jüdisch-christlich) Altersresidenz mit 100 Zimmern. Die streng nach den funktionellen Kriterien der Nutzung und der Besonnung geplante Anlage wurde in der Kriegszeit Opfer eines Bombenangriffes und in der Nachkriegszeit als amerikanisches Militärspital genutzt.

Mitte der Neunziger- Jahre erfolgte der Verkauf an einem Investor, der eine Neunutzung als Alters- und Pflegeheim plante.

Im Autrage des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen erarbeiteten wir ein denkmalpflegerisches Projekt mit der Zielstellung, einerseits die Neunutzung zu ermöglichen, andererseits die erhaltene Originalsubstanz soweit möglich zu sichern.

Durch die Kriegswirren verschont blieben viele Dokumente im Besitze des GTA-Archives der ETH Zürich aus dem Haefeli, Moser, Steiger–Nachlass. Sie waren Grundlage für die umfassenden Befunduntersuchungen, die die Denkmalpflege vorfinanzierte.

Erstaunliches kam zum Vorschein, die polychrome Wandgestaltung der öffentlichen Bereiche war in verschiedenfarbig durchgefärbtem Webu-Putz verfasst, dessen Sanierung eine grosse Herausforderung war.

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