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Brinkmann, Ulrike; Wittstadt, Katrin:

Anwendungen innovativer Restaurierungsmaterialien und -methoden zur Sicherung craquelierter Glasmalereien. Modellhafte Anwendung an Glasfenstern des Kölner Domes (Weltkulturerbe)

20.04.2009 to 20.12.2012

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Wappenfeld des Jesus Sirach-Fensters
Wappenfeld des Jesus Sirach-Fensters
Das Schadensphänomen „Craquelé“ stellt in der Glasmalereirestaurierung ein bislang ungelöstes Problem dar. Vor allem Gläser aus der Zeit des 19. Jahrhunderts, insbesondere bernsteinfarbene, sind davon betroffen. Sie zeigen verschiedene Rissmuster in Form von oberflächlichen Risslagen mit Schollenbildung bis hin zu Tiefenrissen, die das Glas in der gesamten Stärke durchziehen. Je nach Ausprägung führen die Risssysteme zu deutlich verminderter Stabilität der Scheiben und zu veränderter Transparenz. Zur Behandlung craquelierter Gläser gibt es bislang keine tragfähigen Konzepte. Unklar ist auch, welche Ursachen das Schadensbild auslösen. Unter anderem kommt schadstoffbelastete Luft als ein gewichtiger Faktor in Frage.

Hauptgegenstand der Untersuchungen war das Jesus-Sirach-Fenster, ein großes Fenster aus dem „Welterzyklus“, des Kölner Domes. Weitere craquelierte Einzelgläser aus anderen Glasmalereibeständen des späten 19. Jahrhunderts wurden in die Untersuchungen einbezogen. Anhand originaler Gläser sollte eine Charakterisierung des Schadensbildes Craquelé erfolgen. Als reproduzierbares Probenmaterial sollten künstlich craquelierte Modellgläser entwickelt werden, um Untersuchungen zu Schadensursachen und konservatorische Versuchsreihen durchführen zu können.

Als Konservierungsmaterial sollte der Einsatz eines im Kompetenzfeld „Anorganische Materialien aus flüssigen Vorstufen“ des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung (ISC) entwickelten, hydroaktiven Gels (Laborbezeichnung „A18“) getestet und an die Erfordernisse zur Sicherung craquelierter Gläser angepasst werden. Das neue Festigungsmaterial, ein nanomolekular strukturierter, organisch-anorganischer Aluminiumkomplex mit glasähnlichem Brechungsindex, weist prinzipiell gute Eigenschaften für die Festigung feinster Spaltsysteme, v. a. die langen engen Risssysteme von Tiefenrissen, auf. Mit reinem Ethanol verdünnt und als niedrigviskose Lösung infiltriert, polymerisiert das Sol-Gel in den Spalten zu einem anorganischen silicatischen Gerüst und stabilisiert sie von innen her. Parallel zum Einsatz von A18 sollte auch die Verwendung von Glasfasergeweben und -vliesen als quasi unsichtbare Kaschierung craquelierter Gläser geprüft und durch die Auswahl geeigneter Materialien in Kombination mit möglichen Klebematerialien optimiert werden.

Gefördert durch die DBU



Dieses Projekt wurde gefördert durch
die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
AZ 24583/01

 
Table of contents

1. Einleitung (3)

2. Das Pilotobjekt: Problemstellung und Zielsetzung (5)

3. Stand der Forschung bei Projektbeginn (10)

4. Modellgläser als Untersuchungs- und Probenmaterial (12)

5. Analysemethoden und Probenpräparation (16)
5.1 Analysemethoden (16)
5.2 Probenpräparation (17)

6. Charakterisierung des Schadensbildes „Craquelé“ an Originalen (19)

7. Untersuchungen zu Schadensursachen und -verlauf an Modellgläsern (28)
7.1 Untersuchung der zeitlichen Entwicklung des Schadensverlaufes (28)
am Modellglas MDS8-H
7.2 Untersuchung verschiedener Einflussfaktoren auf die Schadensausprägung (31)

8. Konsolidierung craquelierter Gläser mit A18 (39)
8.1 Laborversuche an Originalen (40)
8.2 Anwendung in der restauratorischen Praxis (47)

9. Hinterlegung craquelierter Gläser mit Glasfasergeweben und Glasfaservliesen (57)
9.1 Laborversuche (58)
9.2 Anwendung in der restauratorischen Praxis: (69)

10. Langzeitexposition von Proben (73)

11. Erfahrungsaustausch: Workshops mit Restauratoren (74)

12. Zusammenfassung der Ergebnisse (77)

13. Literaturverzeichnis (79)

14. Abbildungsnachweis (82)

15. Anhang

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Creative Commons License Contract This work is licensed under a Creative Commons BY-NC-ND 3.0 Germany License.

DOI (Digital Object Identifier)

10.5165/hawk-hhg/213

Participants

  • Ulrike Brinkmann (Author)
    Dombauhütte Köln, Glasrestaurierungswerkstatt
  • Katrin Wittstadt (Author)
    Fraunhofer-Institut für Silicatforschung Würzburg (ISC)
    Außenstelle Bronnbach
    Kompetenzfeld Kulturgüterschutz, Fachbereich Werkstoffchemie
  • Peter Berkenkopf, Carola Mueller-Weinitschke, Sandra Williger
    Dombauhütte Köln
  • Gabriele Maas-Diegeler
    ISC-Außenstelle Bronnbach