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Ronald Adamini: Entfernung von farbigen Kupfersalzen aus karbonathaltigen Baustoffen Zurück
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Die Abbildung zeigt den stark verfärbten Marmorsockel eines Bronzedenkmals im Schlosspark Sanssouci, nahe Schloss Neues Palais in Potsdam.
   

Schematische Darstellung der Vorgänge, die zur Bildung farbiger Kupferverbindungen führen.
Zusammenfassung: Einleitung


Diese Arbeit befasste sich mit der Entwicklung und Untersuchung mehrere Pasten mit verschiedenen Wirkstoffen zur Entfernung von Kupferverfärbungen auf Baustoffen. Insbesondere wurde eine von FEAD GmbH (Forschung u. Entwicklungslabor f. Altbausanierung u. Denkmalpflege) entwickelte und patentierte chemische Paste in der Verarbeitbarkeit verbessert und ihre Wirksamkeit an Probekörpern im Labor und in situ an einem unter natürlichen Bedingungen verfärbten Marmorpostament überprüft.



Problemstellung


Calcithaltige Baustoffe wie Kalkstein, Marmor oder Putze färben sich durch den Kontakt mit kupferhaltigen Lösungen, die von Kupferdächern oder Bronzeoberflächen stammen, grünlich bis bläulich. Besonders Postamente unter Bronzedenkmälern oder Grabmäler mit Bronzeapplikationen können durch den massiven Eintrag farbiger Kupfersalze in ihrer ästhetische Erscheinung so stark beeinträchtigt sein, dass eine Entfernung der Verfärbung notwendig ist.
Die entstehenden Reaktionsprodukte sind nicht wasserlöslich
und gehören somit nicht zu den bauschädlichen Salzen, sie sind deswegen nur ein ästhetisches Problem. Andererseits können die Verfärbungen aus diesem Grund nicht mit den
herkömmlichen, wässrigen Entsalzungsmethoden beseitigt,
sondern nur auf chemischem Wege entfernt werden.



Entstehung der Verfärbung


Die Verfärbungen entstehen vor allem durch chemisch fixiertes Kupfersulfat auf und im calcithaltigen Gestein. Kupfersulfat entsteht, indem zunächst nicht wasserlösliche
Patinabestandteile auf dem metallischen Kupfer durch
schwefelsauren Regen gelöst und stufenweise über mehrere
Lösungs- und Fällungsvorgänge stark mit Sulfat angereichert
werden. Nach erreichen eines Schwellenwertes entsteht
schließlich Kupfersulfat, welches im Gegensatz zur Patina
wasserlöslich ist und so durch Regen oder Tau auf die
Steinoberfläche transportiert werden kann. Nachdem die
Kupfersulfatlösung auf den Stein getropft ist bilden sich im
Grunde die selben Verbindungen aus denen auch die
Metallpatina aufgebaut ist. Das hängt damit zusammen, dass
Kupfersulfatlösung sauer reagiert und daher beim Auftreffen auf calcithaltige Baustoffe deren Kalziumkarbonat angreift. Dabei wird die Kupfersulfatlösung unter Verbrauch des
Kalziumkarbonats neutralisiert, was wiederum zur Ausfällung von unlöslichen grünen bis blauen basischen Kupferverbindungen führt. Als Nebenprodukt entsteht Gips. Bei Baustoffen die kein Calcit enthalten, z. B. viele Sandsteine, findet die Neutralisationsreaktion nicht statt, es können deshalb auch keine basischen Kupferverbindungen entstehen.



Möglichkeiten der Entfernung


Da die Verfärbungen nicht nur oberflächlich sind, scheiden von vornherein mechanische und abrasive Methoden aus. Die
Verfärbungen sind nur auf chemischem Wege zu beseitigen.
Neben Säuren, die wegen der gleichzeitigen Zerstörung der
Originalsubstanz nicht verwendet werden können, sind
Komplexbildner wie EDTA oder Ammoniak bzw.
Ammoniumkarbonat in der Lage im neutralen bis basischem
pH-Bereich basische Kupferverbindungen zu komplexieren und dadurch wasserlöslich zu machen. Ammoniak entweicht
gasförmig aus den Poren, während EDTA die nachteilige
Eigenschaft besitzt im Porenraum zu verbleiben. Diese
Komplexbildner werden am besten als Bestandteil einer Paste verwendet.



Entwicklung der Paste


Eine geeignete Paste für die in situ Anwendungen, wurde
zunächst in verschiedenen Testreihen im Labor ermittelt. Die
Testreihen wurden an künstlich durch Kupfersulfat verfärbten
Prüfkörpern aus Marmor, Schaumkalk, Kalkputz und dem
künstlichen Kalksandstein durchgeführt. Die Anforderungen an die Pasten sahen unter anderem vor:



- Gute Verarbeitbarkeit


- Guter kapillarer Kontakt zum Untergrund


- Geringe Rissneigung und große Saugfähigkeit


- Vollständige Entfernung der Verfärbung


- Leichte Entfernbarkeit der Pastenreste


- Keine Rückstände im Porenraum




Im Laufe der Testreihen stellte es sich heraus, dass eine Paste aus dem Tonmineral und Ammoniumkarbonat als Wirkstoff sowohl die Verfärbung zuverlässig beseitigte, wie auch sehr gut zu verarbeiten war. Die Entfernung der getrockneten Paste war problemlos zu bewerkstelligen




Anwendung der Paste am Objekt


Die Ergebnisse der Testreihen in denen die Entfärbungsleistung der Pasten untersucht wurden konnten nicht ohne weiteres auf die in situ Anwendung übertragen werden, da die verwendeten Probekörper viel einfacher zu entfärben waren, als tiefenverfärbter Marmor. Die Paste die sich in den Laborversuchen als am geeignetsten erwiesen hatte, wurde dann auch bei der in situ Anwendung eingesetzt. Als Objekt stand ein Marmorpostament vor dem Schloss Neue Kammern im Park Sanssouci in Potsdam zur Verfügung. Das seit dem 18. Jahrhundert dort befindliche Postament war durch herabtropfendes Wasser vom Kupferdach des Gebäudes teilweise grün verfärbt worden.
Bei der Applikation der Paste wurde so wie bei den Testreihen verfahren. Zunächst wurde das Postament vorgenässt. Dies geschah durch Zellstoffkompressen, die über Injektionsschläuche mehrere Tage feucht gehalten wurden, damit der feinporige und somit langsam saugende Marmor bis in größere Tiefen mit Wasser gesättigt wurde. Dadurch wurde der Kapillarsog der Poren soweit abgeschwächt, dass der gelöste, blaue Kupferkomplex nicht konvektiv in den Stein hineintransportiert werden konnte. Nach dem Vornässen wurde die Paste aufgespachtelt und während der Reaktionszeit mit Folie zugedeckt. Nach Entfernung der Folie, verursacht die trocknende Oberfläche der Paste den konvektiven Transport der in den Steinporen befindlichen Lösung nach außen in die Paste. Nach mehreren Tagen war die Paste getrocknet, sie konnte
durch weiche Bürsten leicht entfernt werden. Diese Arbeitsschritte mussten bis zu vier mal wiederholt werden.



Schlussbemerkung


Das Ziel der Arbeit wurde insofern erreicht, dass bei sorgfältiger Vorbereitung der Applikation die entwickelte Paste in der Lage ist, durch Kupferlösung verfärbten Marmor zu entfärben. Damit steht für die Entfernung von Kupferverfärbungen an karbonathaltigen Baustoffen ein wirksames und gut handhabbares Mittel zur Verfügung.

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Schlagworte: Steinreinigung, Reinigungspaste, chemische Paste, Marmor, Kupfer
 
Probeplatten aus Schaumkalk nach zweimaliger Anwendung verschiedener Pasten.
 
Links: Vorzustand des Postaments, mit fahnenartiger Verfärbung. Rechts: Endzustand des Postaments nach der Reinigung.
weitere Angaben:
  • Hochschule:  FH Potsdam
  • Art der Arbeit:  Diplomarbeit
  • Erstprüfer:  Prof. G. Hauff
  • Zweitprüfer:  Dr. Peter Friese
  • Abgabedatum:  2001
  • Sprache:  Deutsch
  • Seitenzahl:  102
  • Abbildungen:  56
 
Kontakt:
 
Ronald Adamini
Tegnerstrasse 8
10439  Berlin
Germany
ronald.adamini@[Diesen Teil loeschen]web.de

 
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Ausführliche Zusammenfassung mit weiterem Bildmaterial
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