Projektdokumentation

Motzny, Oliver; Löther, Thomas; Bolsius, Jens; Johne, Wolfgang; Giele, Christoph:

Modellhafte Beseitigung von anthropogenen Umweltschäden und denkmalgerechte, nachhaltige Sanierung einer bedeutenden historischen Orgel

17.04.2012 bis 17.01.2014

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Inhalt
Beteiligte

Jehmlich Orgel Mariä Himmelfahrt, Ostritz
Jehmlich Orgel Mariä Himmelfahrt, Ostritz
Eine der ältesten Kirchen des Bistums Dresden-Meißen ist die Ostritzer Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“. Ostritz liegt im Süden der Oberlausitz an der Neiße und damit in unmittelbarer Nähe zu Polen aber auch zur barocken Zisterzienserinnenabtei „St. Marienthal“. Das Gotteshaus wurde im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts als rechteckige Saalkirche errichtet und den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Durch das Kloster erfolgte im 14. Jahrhundert ein Patronatswechsel zu „Mariä Himmelfahrt“. Die Kirche wurde in den vergangenen Jahrhunderten mehrmals um- und angebaut und bildet ein interessantes Abbild der Baustilepochen von der Romanik über Gotik und Barock bis zur Neorenaissance des Historismus. Dach und Fassade der Kirche wurden 2010/11 instandgesetzt.
Im Jahre 1878 wurde durch die Werkstatt von Carl Eduard Jehmlich die heutige Orgel mit 2 Manualen, Pedal, mechanischen Schleifladen und ursprünglich 3 Kastenbälgen errichtet. Das Instrument gilt aufgrund der fast vollständig erhaltenen technischen Anlage und ihrer hervorragenden, für den Erbauer typischen hohen Qualität und der künstlerisch bedeutenden, weitgehend erhaltenen Klangsubstanz als erhaltens- und schützenswertes Kulturdenkmal der sächsischen Orgelbaukunst und -tradition.
Leider wurde ein Kastenbalg zugunsten eines suboptimalen Schleudergebläses außer Betrieb genommen. Die Disposition der Orgel wurde in den Jahren 1913 und 1955 verändert. Diverse Zinnpfeifen wurden in Kriegszeiten beschlagnahmt und durch minderwertige Zinkpfeifen ersetzt. Durch das undichte Dach drang „saures“ Regenwasser in die Orgel ein und verursachte eine starke Korrosion an Metallteilen. Häufig auftretende Korrosionserscheinungen förderten dieses Schadbild. Durch aus heutiger Sicht problematische Holzschutzmittel war verstärkt Schimmelbildung an den Holzbauteilen zu verzeichnen sowie eine Gesundheitsgefährdung der Kirchenbesucher. Korrosion und Schimmelbildung werden auch begünstigt durch langjährige Verschmutzung infolge der Industrialisierung durch Kohlestaub und Asche bei der Förderung und Verstromung der Braunkohle in der näheren Umgebung sowie durch die bis 1990 vorhandene Kirchenheizung, die jedoch inzwischen erneuert wurde.
Es war beabsichtigt die Orgel grundlegend zu reinigen und optimal an den Originalzustand heranzuführen. Dazu gehörten den Schimmelbefall und dessen Ursachen zu entfernen sowie die Hylotoxbelastung zu untersuchen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Alle umgesetzten oder umgearbeiteten Pfeifen sollten wieder an ihren Standort in ihre ursprüngliche klangliche Funktion zurückgeführt und die Zink- wieder durch Zinnpfeifen ersetzt werden um die Klanggestalt der Orgel wieder herzustellen. Das Schleudergebläse sollte entfernt und die Kastenbalganlage mit den original 3 Kästen jedoch mit einer innovativen Balghebeanlage versehen werden. Für die Nachhaltigkeit der Restaurierungsmaßnahmen waren wissenschaftliche Untersuchungen der Umweltverschmutzung sowie der klimatischen Verhältnisse eingeplant wurden, um Erkenntnisse für den künftigen Betrieb der Orgel im Zusammenhang von Kirchenraum, Heizung und Lüftung zu erhalten sowie empirische Erkenntnisse wissenschaftlich zu unterlegen. Durch elektronische Regelung sowie konstruktive Maßnahmen sollen die klimatischen Verhältnisse, insbesondere in Bezug auf die Luftfeuchte durch ressourcenschonende Maßnahmen optimiert werden.

Gefördert durch die DBU



Dieses Projekt wurde gefördert durch
die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
AZ 30200/01

 
Inhalt

1. Kurzfassung des Gesamtvorhabens ...5
2. Antragsteller ...6
3. Kooperationspartner...7
4. Zielsetzung des Vorhabens und Maßnahmen...8
4.1 Orgeluntersuchung...8
4.2 Untersuchung Schimmelpilz und Hylotox-Kontaminierung ...8
4.3 Untersuchung und Restaurierung des Orgelprospektes ...9
4.4 Restaurierung der Orgel...9
4.5 Untersuchung Rauklima...9
4.6 Maßnahmen zur Optimierung des Raumklimas ...10
4.7 Begleitende Baumaßnahmen, Sonstiges...10
5. Umweltrelevanz des Vorhabens...11
6. Innovativer Charakter der Maßnahmen...12
7. Berichte und Dokumentationen der Projektbeteiligten ...14 ff
Seite 15 Untersuchung der Orgel Orgelsachverständiger Dr. Hodick
Seite 22 Abnahme Orgel Domorganist und Orgelbeauftragter für das
Bistum Dresden-Meißen, Thomas Lennartz
Seite 23 Schimmeluntersuchung ihd Dresden gGmbH
Seite 27 Spezialreinigung bhd GmbH, Dresden
Seite 40 Restaurierung Orgelprospekt Restaurierungsatelier T. Brandt
Seite 63 Restaurierung Orgel Jehmlich Orgelbau GmbH
Seite 119 Bericht Raumklima Hochschule Zittau/Görlitz
Seite 155 Bericht Lüftströmung IDK e.V., Dresden
Seite 160 Heizung und Lüftung Theod. Mahr Söhne GmbH

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Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk steht unter einer Creative Commons BY-NC-ND 3.0 Deutschland Lizenz.

DOI (Digital Object Identifier)

10.5165/hawk-hhg/216

Beteiligte

  • Oliver Motzny (Autor)
    Initiativgruppe Orgelbau
    E-Mail: oliver.motzny@[Diesen Teil löschen]freenet.de
  • Thomas Löther (Autor)
    Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V.
    Schloßplatz 1
    01067 Dresden
    E-Mail: loether@[Diesen Teil löschen]idk-denkmal.de
    Homepage: www.idk-denkmal.de
  • Jens Bolsius (Autor)
    Hochschule Zittau/Görlitz
    Schliebenstraße 21
    02763 Zittau
    E-Mail: jbolsius@[Diesen Teil löschen]hs-zi-gr.de
  • Wolfgang Johne
    Ingenieurbüro für Bauwesen
    Dr. Friedrichs-Str. 36
    02763 Zittau
    E-Mail: post@[Diesen Teil löschen]bau-johne.de
  • Christoph Giele
    Theod. Mahr Söhne GmbH
    Thomas Mann-Str. 33
    01219 Dresden
    E-Mail: mahr.dresden@[Diesen Teil löschen]mahr-heizung.de
  • Orgelbau Jehmlich
    Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH
    Großenhainer Straße 32
    01097 Dresden
    E-Mail: jehmlich-orgelbau@[Diesen Teil löschen]t-online.de