Projektdokumentation

Löther, Thomas; Zötzl, Matthias; Nimoth, Torsten; Fliedner, Martin:

Modellhafter Oberflächenschutz eines anthropogen geschädigten Natursteinmauerwerks an der Stiftskirche Chemnitz - Ebersdorf

12.05.2014 bis 11.11.2015

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Inhalt
Beteiligte

Geschädigtes Mauerwerk an der Stiftskirche Chemnitz - Ebersdorf
Geschädigtes Mauerwerk an der Stiftskirche Chemnitz - Ebersdorf
Durch die langjährige intensive Zusammenarbeit zwischen Landeskirche, Denkmalpflege und IDK e.V. konnten bei routinemäßigen Besichtigungen der Stiftskirche Ebersdorf erhebliche Schäden an der Natursteinfassade von Kirchenschiff und Turm erkannt werden. Erfahrungen an anderen exponiert freistehenden Gebäuden zeigen die Notwendigkeit langfristig angelegter naturwissenschaftlicher Untersuchungen und restauratorischer Betreuungen auf. Das Thema eines schützenden Fassadenputzes als Herausforderung der präventiven Konservierung eines historischen Gebäudes stellt mit der Stiftskirche Ebersdorf keine Ausnahme dar. Viele heute natursteinsichtige Denkmäler waren über Jahrhunderte verputzt, bevor vor über 100 Jahren, einer „Modeerscheinung“ gleich, eine Natursteinsichtigkeit vieler Gebäude gewünscht und daher viele historische Putz entfernt wurden. Bekannte Beispiele hierfür sind in Sachsen u.a. die St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz und die St. Wolfgangskirche in Schneeberg. Auch die Stiftskirche Ebersdorf verlor in diesem Zeitraum ihren, zum Teil bemalten, Außenputz. Da sich nur wenige Natursteinvarietäten für einen Verbau in frei bewitterten Außenfassaden eignen, kam es dann an einer Vielzahl dieser Gebäude zu Folgeschäden und dadurch immer wieder zu tiefgreifenden Baumaßnahmen an den Fassaden, die wiederum einen erheblichen Austausch von Originalmauerwerk zur Folge hatten. An der Stiftskirche Ebersdorf sind derzeit die Schäden am verbauten Naturstein gravierend und nicht zu übersehen. Sie erstrecken sich vom Sockelbereich über die Fassadenflächen und Strebepfeilern bis zum Turmbereich. Mittlerweile geht von der geschädigten Architektur sogar Gefahr für die Besucher der Kirche durch Steinschlag aus. Die Schäden wurden in den oben stehenden Kapiteln beschrieben, bewertet und grafisch dokumentiert. Im Ergebnis der Auswertung der Untersuchungen, aller vorliegenden Unterlagen und Arbeiten und in Vorbereitung zum DBU- Projekt konnten somit durchaus noch wichtige und wesentliche Bereiche mit originalen Putz und Fassung lokalisiert werden.
Durch die denkmalpflegerische und kunsthistorische Betreuung, die naturwissenschaftlichen Untersuchungen und die restauratorischen Arbeiten an der Außenfassade der Stiftskirche Ebersdorf konnte das durch die DBU geförderte Projekt mit dem Titel „Modellhafter Oberflächenschutz eines anthropogen geschädigten Natursteinmauerwerks an der Stiftskirche Chemnitz – Ebersdorf“ erfolgreich durchgeführt und abgeschlossen werden. Mit allen beteiligten Partnern an diesem Projekt konnte ein mehrstufiges Maßnahmenkonzept entwickelt werden. So wurden nach der Auswertung von Unterlagen, Vorortbegehungen, Beratungen mit der Kirchgemeinde und der Denkmalpflege, naturwissenschaftlichen Untersuchungen und handwerklichen Überlegungen verschiedene Musterflächen (Nord- und Südseite) zur langfristigen Beobachtung an der Kirche angelegt. Diese Musterflächen konnten im Projektzeitraum mehrfach besichtigt und ihre Eignung als „Schutzhülle“ für den geschädigten Naturstein ermittelt bzw. bestätigt werden.
Als Ergebnis der erfolgten restauratorischen und konservatorischen Maßnahmen kann die Wiederherstellung der Putzfassade für die geschädigten Natursteinfassaden der Stiftskirche Ebersdorf empfohlen werden. Folgende Schutzfunktionen würde dieser angepasste Fassadenputz übernehmen:
- Schutz der noch vorhandenen mittelalterlichen Bau- und Steinsubstanz.
- Starke Reduzierung der Feuchteaufnahme der Außenwände bei Regenereignissen.
- Erhöhung der Pufferwirkung bei Schadsalztransporten an die außen liegenden Wandoberflächen.
- Verlagerung der „Schädigungsebene“ von der Natursteinoberfläche auf die Putzoberfläche. Somit erfolgt keine weitere Schädigung der mittelalterlichen Mauerwerksstrukturen. Der Neuputz fungiert als Opferputz, soll jedoch eine längere Standzeit gewährleisten.

Mit der Anlage der Musterflächen und deren langfristigen Beobachtung an der Stiftskirche wurde eine Strategie zur möglichen Wiederherstellung der stark umweltgeschädigten Fassaden entwickelt und der Kirchgemeinde, der Denkmalpflege und der Öffentlichkeit durch diesen Abschlussbericht aufgezeigt. Somit ist für die Fassaden der Stiftskirche die Option der Wiederverputzung sinnvoll und nachvollziehbar entstanden.

Gefördert durch die DBU



Dieses Projekt wurde gefördert durch
die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
AZ 32229/01

 
Inhalt

1. Einführung in das Projekt 4
1.1 Kurzfassung des Gesamtvorhabens 4
1.2 Zielsetzung des Vorhabens und Maßnahmen 5
1.3 Umweltrelevanz 5
1.4 Einordnung des Gebäudes in den kunsthistorischen Zusammenhang 6
1.5 Gemeindeleben 7
1.6 Innovativer Charakter des Projektes 8
1.7 Einführende Bilddokumentation 9
2. Die denkmalpflegerisch-restauratorische Einordnung der Fassaden der Kirchenanlage 13
2.1 Die mittelalterlichen Bauten in Chemnitz und deren Putz- und Fassungsbestand 13
2.2 Die Stiftskirche und die Fassaden der Anlage 15
3. Naturwissenschaftliche Untersuchungen 23
3.1 Einleitung 23
3.2 Natursteinbestimmung an den Fassaden der Stiftkirche 23
3.3 Verwitterungsverhalten der Tuffvarietäten 25
3.4 Schadbilder an Natursteinen der Fassade 26
3.5 Materialkennwerte Hilbersdorfer Tuffvarietäten 28
3.6 Voruntersuchungen vor Anlage der Musterflächen an der Fassade 31
3.7 Untersuchungen am historischen Putz 34
3.8 Dünnschliffuntersuchungen an historischen Putzproben 38
3.9 Empfehlungen zur Anlage der Putzmusterflächen 38
3.10 Untersuchungen an Putzmörtel 39
3.11 Nachbewertung der Putzmusterflächen 41
3.12 Ausblick 43
4. Die Anlage von Musterflächen zum Neuverputz der Fassaden der Stiftskirche zu
Chemnitz-Ebersdorf 44
4.1 Einleitung 44
4.2 Befunde Putz und Fassung 44
4.3 Vorbereitung 45
4.4 Verputz 46
4.5 Anstrich /Fassungen 47
4.6 Rezepturen und Materialien 49
5. Zusammenfassung und Fazit 50
6. Literatur 54
7. Anhang 56

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DOI (Digital Object Identifier)

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Beteiligte

  • Thomas Löther (Autor)
    IDK
    Schlossplatz 1
    01067 Dresden
    E-Mail: loether@[Diesen Teil löschen]idk-denkmal.de
    Homepage: www.idk-denkmal.de
  • Matthias Zötzl (Autor)
    IDK
    Schlossplatz 1
    01067 Dresden
    E-Mail: zoetzl@[Diesen Teil löschen]idk-denkmal.de
    Homepage: www.idk-denkmal.de
  • Torsten Nimoth (Autor)
    Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
    Schlossplatz 1
    01067 Dresden
    E-Mail: torsten.nimoth@[Diesen Teil löschen]lfd.smi.sachsen.de
    Homepage: www.denkmalpflege.sachsen.de/
  • Martin Fliedner (Autor)
    Ferdinand-Sommer-Str. 7
    08543 Pöhl
    E-Mail: fliedner.restaurierung@[Diesen Teil löschen]web.de