Ausstellung

Der Kreuzgang von St. Michael in Hildesheim

1000 Jahre Kulturgeschichte in Stein 

Ausstellung zur EXPO 2000 im Kreuzgang und in der Kirche

Zur EXPO 2000 hat das Hornemann Institut eine Ausstellung über die Erhaltung des Kreuzgangs der UNESCO-Weltkulturerbekirche St. Michael präsentiert.

Der in Teilen auf das frühe 11. Jahrhundert zurückgehende Kreuzgang ist heute in seiner Substanz stark gefährdet. Grund hierfür ist vor allem die klimatische Situation, die in Zukunft die Einhausung des Kreuzgangs unumgänglich macht.

Seit März 1999 war der Kreuzgang provisorisch eingehaust und nur noch eingeschränkt zu besichtigen gewesen. Erst zur EXPO-Ausstellung war der Kreuzgang wieder uneingeschränkt zugänglich. Die endgültige Restaurierung erfolgte erst nach der EXPO 2000.

Das Hornemann Institut hatte sich zum Ziel gesetzt, durch diese Ausstellung ein größeres Bewusstsein zu schaffen für die Bedeutung des Kulturerbes, seine ständige Bedrohung und die Notwendigkeit, es den kommenden Generationen zu bewahren.

Multimediale Präsentationen, informative Tafeln, ein Dokumentarfilm über die noch laufenden Restaurierungsarbeiten sowie eine eigens für die Schau zusammengestellte Sammlung originaler skulptierter Steine erläutertren dem Besucher auf abwechslungsreiche Weise den Einsatz moderner Technologien zum Erhalt unserer kulturellen Vergangenheit.

Zur Ausstellung ist eine CD-ROM, ein ausführlicher, reich bebilderter Katalog, und ein Film erschienen.

Veranstalter: Hornemann Institut
Ort: Kirche und Kreuzgang des UNESCO-Weltkulturerbes St. Michael in Hildesheim
Dauer: vom 1. Juli bis. 2. Oktober 2000

Die Ausstellung wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Die Ausstellung basierte auf den Arbeitsergebnissen der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, des Norddeutschen Zentrums für Materialkunde sowie freiberuflicher Restauratoren/-innen. Die Arbeiten erfolgten im Auftrag und unter der Leitung der Evangelischen Landeskirche.

Die Modelle wurden von Studierenden der HAWK, Abteilung Architektur, unter Leitung von Frau Dr. Antje Busch-Sperveslage gefertigt. Die Schautafeln gestalteten zwei Studenten des Fachbereichs Gestaltung an der FH Hildesheim/ Holzminden/ Göttingen, Markus Köhn und Andre Koller, unter Leitung von Prof. Gerd Finkel.


Der Kreuzgang

Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges ist nur der westliche Kreuzgangflügel des ehemaligen Benediktinerklosters erhalten geblieben. Er geht in Teilen auf das frühe 11. Jh. zurück, als Bischof Bernward die Klosteranlage errichten ließ. Von den Umbauten im späten 12. Jh., unter Bischof Adelog, zeugen die mit Bauplastik geschmückten Portale zur Kirche und zu den ehemaligen Klosterräumen. Auf diese Bauphasen folgt eine Umgestaltung im 2. Viertel des 13. Jh., die das Erscheinungsbild des Kreuzganges noch heute prägt: Die reich geschmückten Kapitelle und die berühmte 'Drachenrippe' stehen unter dem Einfluß der Magdeburger Bauhütte.

Im letzten Viertel des 19. Jh. hat eine durchgreifende Restaurierung dem bereits damals fortschreitenden Verfall des Kreuzganges Einhalt geboten: viele Bauteile wurden dabei ausgewechselt, für andere hat man z.T. ungeeignete Restaurierungsmaterialien verwendet.

Im Jahr 2000 war der Kreuzgang in seiner Substanz wieder stark gefährdet. Dies lag vor allem an der belastenden klimatischen Situation. Der Kreuzgangflügel mit der offenen Arkadenwand war der Verwitterung und den Schwankungen von Temperatur und relativer Luftfeuchte sehr viel mehr ausgesetzt als ein geschlossener Raum. Die Folgen waren Kondenswasserbildung und eine Konzentration von Salzen auf der Steinoberfläche. Die Salze kristallisierten auf dem Stein aus, es kam zu Abplatzungen und Absandungen. Schwere Substanzverluste waren die Folge.

Restauratorische Untersuchungen haben ergeben, daß die Erhaltung des Kreuzganges auf Dauer nur durch eine Stabilisierung der klimatischen Bedingungen und durch die Behandlung der schädlichen Salze möglich war. Deshalb wurde der Kreuzgang zunächst provisorisch eingehaust. Im Rahmen einer modellhaften Restaurierung, deren Ergebnis während der Ausstellung zur EXPO 2000 besichtigt werden konnte, wurde ein Konzept erarbeitet, das danach im gesamten Kreuzgang umgesetzt wurde.

Der Kreuzgang von Süden; (c) Andreas Hartmann; Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Konsole aus dem Kreuzgangflügel, 2. Viertel 13. Jh.; (c) Foto: Gerhard Lutz, Hildesheim